Trainingslager der NRW & Rp Frauen in Landau
von
Anne-Kathrin Looft Gisela König,
segelfliegerisch auf dem Flugplatz Landau in der Pfalz beheimatet, war
die Gastgeberin des zweiten, gemeinsam von den Landesverbänden Rheinland-Pfalz
und Nordrhein-Westfalen durchgeführten Frauen Streckenflug Trainings.
Eine ruhige, ausgeglichene, positiv ausstrahlende Natur. Und trotzdem
ließ sich Gis, wie sie so allgemein namentlich bekannt ist, zu einem
„folgenschweren Satz“ hinreißen. Nicht gleich beim Sektempfang am
ersten, am Samstagabend. Nachdem der Sonntag fliegbar war und am Montag
nichts lief, gab es das große Debriefing der sonntäglichen
Flüge und eben diesen Satz: „Vor zwei Jahren hatten wir Top Wetter
und die Theorie ist viel zu kurz gekommen. Für dieses Jahr haben
wir anderes Wetter bestellt!“ Aber der Reihe nach. Am Samstag, nachdem
die Behausungen zwischen den Schauern aufgebaut worden waren und der Flugplatz
von wollig weißen Profirasentrimmern gemäääht worden
war, gab es um 16 Uhr das offizielle Eröffnungsbriefing. Und obwohl
immer noch nicht alle Trainer gekommen waren, war der Schulungsraum des
AeC Landau so gerappelt voll, dass die Rückholer, die gleich zum
Allgemeingut erklärt wurden, nur vor der Türe warten konnten.
Mirja Klicks ist die zweite Initiatorin. Den
bis zu 14 Trainern, die sie hatte gewinnen können, standen 21 Trainees
gegenüber. Aber hoppla – da hatten sich doch zwei Männer „eingeschlichen“:
Sebastian und Robin Horstmann. Die Zwillingen konnte man aber gut auseinander
halten – auch aufgrund ihrer Flugzeuge (LS 1 und Standard Libelle). Am
Ende der Woche waren die beiden so gut in die Frauen Gruppe integriert,
dass – wer hätte es gedacht – sogar die Kleidung angepasst war, nämlich
Röcke! Es fehlten nur noch die rasierten Beine. Das Eröffnungsbriefing
diente, neben der Bekanntmachung der örtlichen Gegebenheiten natürlich
der gegenseitigen Vorstellung. Die anwesende Mischung war sozusagen reichlich
bunt – von Christin, bei der die Tinte im Schein
noch nicht ganz trocken war, die dafür aber mit „Mops“
Breitbach im Duo flog, über Ina, die erst seit 2001
fliegt, über die vier „Mädels“ die „grad um die Ecke“ wohnen,
nämlich in und um Neustadt, über Spätstarter (also Ausbildungsbeginn
weit jenseits der 14 Jahre) wie Eva, Martina oder Uschi, die seit einem
Jahr Ka 8 fliegt und für’ s Training im hinteren Sitz der ASH 25
Platz nahm. Bis hin zu „schon länger Fliegerinnen“, die wie Anke
gefördert werden möchten, wie Annegret, die nach der Geburt
der Tochter, den Gluckeninstinkt ablegen wollte, bis hin zu meiner Wenigkeit,
die vor zwei Jahren auf dem Geschmack gekommen ist, und für solche
Trainingsmöglichkeiten, in Ermangelung solcher im Norddeutschen Raum,
gerne 750 Kilometer Anfahrt aus Schleswig-Holstein in Kauf nimmt. Auch
dabei waren Yvonne, Katharina und Stefanie vom LSV Goch. Sie hatten sich
als Mannschaft verdingt und wollten, bevor sie selbst so weit sind, schon
mal die Atmosphäre eines Frauen Trainings erleben und kennen lernen.
Die drei sind schlicht weg begeistert nach Hause gefahren. Aber was wäre
ein solches Training ohne Björn Fernholz?
Björn war überall zu finden. Ob beim Frühstück zubereiten,
bei der allgemeinen Organisation, wie dem Verkauf der Schlepp Bons, beim
Aufrüsten, Startschreiben, am PC um Telefonlisten zu erstellen oder
Themenlisten auszudrucken, um das Interesse an den verschiedenen Theoriemöglichkeiten
abzufragen. Oder er checkte schnell mal ab, wer mit zu Abend ist: „Heute
gibt es Pfälzer Wurst Salat und Bratkartoffeln. Kosten: zirka drei
Euro. Wer will mit essen? Hand hoch! Eins, zwei,… okay.“ Die Anzahl der
Essen gab er weiter an Renate oder Manfred. Zwei Seelen am Flugplatz Ebenberg.
Nicht nur das so, und zwar äußert günstig, für das
leibliche Wohl gesorgt war. Nach der Mahlzeit blieb man/frau einfach auf
der urigen Terrasse zum Gedankenaustausch sitzen. Es sei denn etwas anderes
war organisiert, zum Beispiel Filme (DVD/ u. a. Hexencup Klix 2003) gucken,
oder in Ludwighafen zum Empfang der frisch gebackenen Deutschen Meisterin
der Clubklasse Sandra Malzacher gehen, oder gleich der Besuch einer so
genannten Straußen- oder Besenwirtschaft. Sonntags also das erste
Briefing. Wie vorher festgelegt, stellen immer zwei Pilotinnen gemeinsam
das Wetter vor. Das war noch nicht ganz eindeutig, weil sich von Süd
Westen ein Trog näherte. Aber guten Mutes wurde aufgerüstet
und gemäß eingeteilter Gruppen die richtige Position in der
Staraufstellung eingenommen. Zweites Briefing um 12 Uhr. Aufgaben wählten
die Teams entsprechend der genutzten Flugzeuge und vorhandenen Pilotenfaktoren.
Innerhalb einer Stunde waren die 30 Segelflugzeuge mit drei Schleppmaschinen
in die Luft gebracht worden. Anfangs war nur eine Basis um 1000 m NN anzutreffen.
Und dass das Wetter nicht wirklich einfach war, zeigte auch die Zahl der
Außenlandungen: acht. Ute, das bayerische Gegengewicht zum Nordlicht,
schimpfte denn auch unterwegs „Die Wolken verarschen uns.“ Und schon bald
war ihre Truppe zur falschen Zeit am falschen Ort – Landung in Weinheim
– denn dort hatte man eine Stunde vorher überhaupt erst den Flugbetrieb
aufnehmen können. Dodo und Mitfliegerinnen absolvierten eine Zwischenlandung
in Mosbach - Lorbach, Mops und Chrissi verloren unterwegs Steffi, so dass
Mops sich nach seiner Landung höchst persönlich mit dem Hänger
zum Acker aufmachte. Tja und Robin strandete in Lachen - Speyerdorf wo
er nette Flugschülerinnen kennen lernte. Zählbar waren am Abend
Strecken zwischen 100 und 350 Kilometern. Der Montagmorgen roch schon
deutlich herbstlich, nicht zu letzt weil sich die gefiederten Fliegerkameraden
in großen Scharen sammelten. Das Wettermachen gestaltete sich schwierig,
deswegen gab’s das Briefing eine Stunde später. Da aber eine starke
Gewitterfront schon östlich Paris lag und ziemlich mächtig war,
rüsteten die „Frühaufsteher“ flugs wieder ab. Sogar die Doppelsitzer
wurden wieder in die Hänger gesteckt, weil Hagelschlag gemeldet war.
Also gab es ein ausführliches Debriefing des Sonntags: Dabei hatten
Claudia und Uschi in der ASH 25 ein beinahe lyrisches Erlebnis. Auf der
von ihnen genutzten Gruppenfrequenz gab es irgendwann einen eindeutigen
Maulkorb: „So, die Frauen auf der Frequenz, haltet jetzt mal für‚
’nen Moment den Mund.“ Und bevor noch der Protest formuliert worden war,
ertönte aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite die „Morgenstimmung“. Irgendwo
in der Republik fand zu dieser wunderbaren Musik eine Kunstflugvorführung
statt. Uschi als begeisterte Ka 8 Fliegerin hat in der ASH 25 erfahren,
was sie Gleitbereich nennt und was Claudia und Gis, die ihren Leiseflieger
Antares ausführte, Gleitbereich nennen. Jedenfalls hatte der Flug
für die ASH Pilotinnen einen „hohen Freizeit- und Erlebniswert.“
Die Urheberinnen folgender Zitate bleiben hier besser ungenannt – aber
gelacht haben wir mächtig. Eine unverheiratete Pilotin träumte
laut vor sich hin: „Suche Antares mit Aufbauhilfe (Mann) – spätere
Heirat nicht ausgeschlossen.“ * Prompt kommt die Antwort einer verheirateten
Pilotin: „Ich würd’ nicht jeden Mann nehmen. Es gibt Männer,
da würd’ ich auf einen Nimbus glatt verzichtet.“ Da der Dienstag
eindeutig zum Streckenfliegen nicht geeignet war, verordneten die Trainer
den Ziellandewettbewerb. Gleiche Bedingungen für alle hieß
es – also wurden ausschließlich die drei Duo ’s genutzt. Übrigens,
das Ei als Ziel, das die ganze Sache spannender machen sollte, blieb heil.
Spät nachmittags machte sich eine größere Gruppe Interessierter
auf, um Flora und Fauna des Ebenbergs zu erkunden. Gis und Claudia schleppten
jede Menge Bestimmungsbücher mit. Zwei Stunden später kannten
wir eine Menge Pflanzen, die zum Teil auf der roten Liste stehen. Verschieden
Königskerzen, Johanniskraut, wilder Ruccola oder gewöhnlichen
Thymian findet man auch anders wo, aber die wollköpfige Kratzdistel
ist selten, die echte Katzenminze ist stark gefährdet und das Salz-Hasenohr
galt bereits als ausgestorben. Der Mittwoch brachte auch kein richtiges
Flugwetter – die Thermik, die es auf 800 Meter schaffte, war schlicht
Warmluftgeblubber. Damit unser „hoher Besuch“ – der CDU Politiker Dr.
Heiner Geißler - etwas mehr zu sehen bekam, ließ Hanna sich
einfach höher schleppen. Geißler war schwer begeistert, packte
sogar beim zurück schieben mit an.*Der Abend war für den Besuch
einer Besenwirtschaft vorgesehen. Und just als die Teller geleert waren
– es gab natürlich Pfälzer Kost – Sauerkraut, Bratwürstchen,
Leberknödel, Saumagen, prasselte der Gewitterregen los. Also unterm
Vordach und auf der Diele zusammen rücken. Bei noch einem Schoppen
Wein wurde es ein uriger Abend. Der Donnerstag weckte uns mit Regengetröpfel.
Die Sonne zum Frühstück hielt nicht was sie versprach, denn
im Briefing war von Windgeschwindigkeiten zwischen 55 und 95 km/h die
Rede. Also wieder alternativ Programm. Im Technik Museum in Speyer konnte
man sich wenigsten mit der Technik des Flugzeugbaus beschäftigen.
Die Burg Bärwarthstein wurde von anderen besichtigt, ein weiteres
Häuflein wanderte über die Wege des Pfälzer Waldes. Und
die letzten zwei verbrachten den Nachmittag bei einem kundigen Winzer.
Am vorletzten Tag konnte endlich geflogen werden. Auch wenn sich die Schlepps
bei starkem Süd-West Wind sportlich gestalteten. Deswegen waren die
Bärte natürlich 8-eckig, es bildeten sich aber herrliche Wolkenstraßen
aus. Unter denen ging es zum Teil mit 6m/s nach oben. Die Strecken führten
nach Frankreich, in den Odenwald oder es wurden einfach nur Jojo’ s am
Rande des Pfälzer Waldes geflogen. Die Hälfte der am 20. August
bei olc (d) gemeldeten Flüge wurden in Landau gestartet (3695 von
5823 Kilometern). Dabei gab es Strecken zwischen 380 und etwa 100 Kilometern
zu zählen. Immerhin hatten wir eine Woche lang auf der Terrasse frühstücken
können. Auch am letzten Morgen. Aber dem schönen Wetter blickten
wir einmal mehr hinterher. Wieder war die Rückseite bei Nacht durchgegangen.
So wurde der Theorieteil fortgesetzt, der sich an diesem Tag um Meisterschaftsvorbereitungen
und Dopingregeln drehte. Selbstredend, dass der letzte Abend rund herum
von den Teilnehmerinnen gestaltet wurde. Und nach guter alter Sitte gab
es für alle Trainer/innen, Schlepppiloten und das Küchenteam
zum Dank Präsente. Auch der gastgebende AeC Landau ging nicht leer
aus: Eimer, Schwamm und Leder waren in der Woche viel gefragt und nachdem
wieder mal jemand gegen die Endleiste gerannt war und eine blutende Platzwunde
davon getragen hatte, schafften wir zusätzliche Erste-Hilfe-Ausrüstung
ran.
Die Internet Seite zum Lehrgang, www.seko-nrw.de/frauensegelflug/landau2004
endet wie folgt: „Alle waren sich einig, dass es trotz des durchwachsenen
Wetters eine tolle Trainingsmaßnahme war und bedauerten es, dass
die Zeit so schnell vergangen war. Aber in zwei Jahren wird es wieder
an dieser Stelle ein Streckenflugtraining geben.....“ Liebe Gisela, dann
möchten wird diesen Satz von dir entsprechen abgewandelt hören:
„Vor zwei Jahren hatten wir miserables Wetter und die Fliegerei ist viel
zu kurz gekommen. Für dieses Jahr haben wir anderes Wetter bestellt!“
Liebe Segelflieger, die ihr bis hierhin gelesen habt – unsere Anerkennung
– denn es gibt immer noch so viele, die den „Zickenkram“ einfach überblättern.
Keine Sorge – wir tun was ihr auch macht: einfach segelfliegen. In Landau
haben wir die Gelegenheit genutzt tatsächlich echte, eigene Erfahrungen
zu machen. Dazu gehören eigene Fehler. Wir sind im Team geflogen
und nicht hinterher. Die Mehrheit unserer bisherigen fliegerischen Laufbahnen
ist oder war von Männern geprägt. Solche Trainingsmaßnahmen
dienen uns vor allem zur Motivation. Das stachelt den Ehrgeiz neu an,
das lässt frau künftig auch alleine auf größere Strecken
gehen und auf Wettbewerbe!