3.Trainingslager der NRW & RP Frauen 2006 in Landau

von Anne-Kathrin Looft Schiet. Ik dach’ de dorste Kroog harr uk an mi vorbi goon kunn’! (Mist. Ich dachte, der Krug hätte auch an mir vorbei gehen können).
Da war es wieder, mein kleines Problem: Was man einmal zur Zufriedenheit irgendeiner Person gemacht hat, darf man fortan öfter tun. Ich zum Thema Frauen-Segelflug und schreiben:
Ende Juli/ Anfang August fand das mittlerweile dritte gemeinsame Frauen Streckenflug Training der Bundesländer NRW und RP in Landau statt, und man darf sagen: Es hat sich etabliert – es künftig ausfallen zu lassen, würde einem Rückschritt im Frauen Sport gleichkommen.
Das beste Wetter haben wohl die Teilnehmer der direkt vorher auf dem Ebenberg in Landau stattfindenden süddeutschen Meisterschaften zur Qualifikation für die Deutschen Segelflugmeisterschaften 2007 verbraucht. Das wäre auch ein möglicher Anfang für meinen Text gewesen. Meine Plattdeutsche Ausdrucksweise soll aber auch einiges aufzeigen: Es war ein babylonisch anmutendes, nicht Sprach-, sondern Dialekt Gewirr auf dem Ebenberg. Pälzer natürlich, Bayrisch, erstmals Sächsisch, Westfälisch (was aber nicht besonders auffiel), und natürlich Plattdeutsch. Tatsächlich hatte ich, die aus Schleswig-Holstein immer die weiteste Anfahrt zu solchen Treffen hat, Unterstützung aus dem Bremer Raum.
13 Trainees mit höchst unterschiedlichem Erfahrungsschatz, Flugzeugen und dementsprechenden Erwartungen trafen auf sieben dauernd anwesende Trainer und Fünfen, die zwischendurch mit einsprangen. Die Ziele waren vom Heranführen der ambitionierten Youngster an den Streckenflug, der über die offiziellen 50 Kilometer hinausgeht, über Vermittlung von Sicherheit durch den Trainer für die Ängstlicheren oder auch „Widereinsteigerinnen“ nach Baby- oder auch langjähriger Berufs bedingter Pause. Was mich betrifft: Schleswig-Holstein ist nicht gerade als Streckenflug Eldorado bekannt und zu Hause habe ich keinen Trainingspartner, der Feinheiten aufdeckt, denn mein Mann und ich nutzen gemeinsam unseren Ventus cM , wobei klar sein sollte, dass das entweder er oder ich bedeutet, somit er als Trainer ausscheidet. Weitere gibt es bei uns im Verein nicht und auch keine Kameraden mit 18 Meter Flugzeugen. Da ich im Juli in Schleswig-Holstein das geflogen war, was Wetter und mein Trainingszustand hergaben, waren meine Erwartungen, bzw. Ziele: Strecken Größenordnung 500 Kilometer und vor allen Dingen im Team Entscheidungen treffen, um schneller zu werden. Leider war, wie gesagt, das beste Wetter schon verbraucht, dennoch blieben vier Tage zum üben. Es war jetzt schon meine fünfte Teilnahme an einem Frauen Streckenflug Training und der Erfolg zeigt sich. Angefangen beim „sich finden“ – klappt bei mir gut. Nur die Trainer haben da manchmal Probleme, ob der vielen weiblichen Stimmen im Funk, die für die Herren nicht immer zuzuordnen waren. Zugegeben, ich hab dann den Vorteil, gegebenenfalls den Motor zu schmeißen, um nicht noch mal landen, respektive starten zu müssen und so das Team frühzeitig zu sprengen. Der erste Tag führte im Rheintal gen Norden, bis an den Frankfurter Luftraum. Bei Worms waren mein Trainer Mops mit der LS6 17,5m und ich schon ziemlich tief. So langsam konnten wir gen Odenwald verlagern um dann wenig später bei Weinheim schon wieder basteln zu müssen. Mops erwischte den Bart und ich, keine 100 Meter tiefer, hab ihn nicht getroffen. Also selbst was suchen. Im Bogen um Mannheim herum und wieder auf die Seite des Pfälzer Waldes gewechselt. Mittlerweile war ein dichter Cirrenschirm aufgezogen. Hier konnten die beiden 18-Meter Flieger mit ihrer Flächenbelastung noch einen Trumpf ausspielen. Beim De-Briefing dann anerkennendes Schulter klopfen. Trainer hätte nicht gedacht, dass ich bei Weinheim derart kämpfen würde und mich da erfolgreich wieder raus gemacht habe. Ein weiterer Tag brachte anfangs ziemlich geringe Steigwerte. In einem besseren Nullschieber direkt am Platz haben wir, ich glaub zu acht, die Zeit abgewartet, bis es besser wurde oder jemand die Nerven verlor und aus dem Bart abflog. Fach - Kommentar abends am Boden vom mitgereisten 15 jährigen Sohn: „Na, da habt ihr euch ja alle gegenseitig behindert.“ Ein weiterer Tag brachte mir dann die Erfahrung über sehr viel Wald und sehr viel Hügel, noch dazu in Kombination. Faszinierender Weise wir sind auf eine kleine Konvergenzlinie gestoßen und den Pfälzer Wald rauf und runter geflogen, ohne viel kreisen zu müssen. Weil alle anderen 17 das auch taten, war eine erhöhte Aufmerksamkeit und Luftraumbeobachtung gefordert. Auch das Team mit der DG 600 funktionierte gut. Abends Lob von der Trainerin – den Wortlaut aber gebe ich hier nicht wieder, denn der könnte sich künftig für mich zum Stressor entwickeln. Eine Schlussfolgerung, die ich aus dem Vortrag zum Mentalen Training für mich gezogen habe. Einen weiteren Vortrag gab es über einen „Wettbewerbstag“. Letztlich ließ das Wetter dann doch noch ein paar kleine Lücken für Kultur. Das Technik Museum in Speyer ist nicht weit und auch das in Sinsheim nicht. Und deutsche Geschichte fand im Pfälzer Wald ne Menge statt: Burgen und Ruinen zeugen davon. Schlussendlich ist auch Wein Kultur.
Mein Fazit: meine Erwartungen habe ich wegen höherer (Wetter)Mächte zwar nicht erfüllen können, aber mir ist klar geworden, dass ich durch Trainingsmaßnahmen schon entscheidende Verbesserungen für mich erreicht habe. Nicht zuletzt durch viele persönliche Gespräche. Auch die anderen „Mädels“, denke ich, haben ihre Erfolgserlebnisse gehabt. Und ich wünsche allen, dass sie was daraus machen. Einzig einen Antreiber brauchen alle noch – sonst sind wir erst soweit, wenn’s Wetter schon wieder vorbei ist.